THE RIB im Kulturhaus MIKADO

 

Martin Müller und The RIB spielten im voll besetzten Kulturhaus MIKADO BNN 29.10.18

Bekennender Beatles-Fan

„Lady Madonna“ habe ihn zur Gitarre gebracht, erzählt Martin Müller dem Publikum im voll besetzten Kulturhaus Mikado. Komisch, dass gerade so ein klavierlastiger Song der Beatles jemanden zur Gitarre führte. Aber gut ist es trotzdem, denn aus Martin Müller ist ein famoser Gitarrist geworden. In der Jazzwelt kennt man ihn vor allem wegen seiner Interpretationen brasilianischer Musik auf der akustischen Gitarre, aber die Liebe zur Musik der vier Jungs aus Liverpool ist geblieben. Ein Album mit seiner Auffassung von Beatles-Songs hat er veröffentlicht und Beatles-Songs sind es auch, mit denen er und seine Band das dreiteilige Konzert eröffnen. Klar macht „Lady Madonna“ den Anfang, „Lucy In The Sky With Diamonds“ und „A Day In A Life“ folgen.
Martin Müller, das zeigt sich recht bald, ist ein behutsamer Gitarrist. Auftrumpfende Rasanz ist nicht seine Art und ohnehin eine Sache, die dem feinen Klang einer Gitarre kaum entspricht. Lieber formt er die Melodie deutlich aus und setzt sein Instrument als Erzeuger von reizvollen Harmonien ein. An seiner Seite spielt „The RIB“. Das sind Christian Kussmann am sechssaitigen E-Bass und Florian Alexandru-Zorn am Schlagzeug. Und diese beiden sind fabelhafte Musiker, die die Neigung Müllers zu ausgedehnten und raffiniert in sich bewegen Klangflächen auf ihre Weise unterstützen. Mit einem Bassspiel, welches das Instrument weit mehr als bloß zum Legen eines rhythmisches Fundaments gebraucht, nämlich zum melodischen und auch harmonischen Kontrapunkt zur Gitarre, und mit einem Schlagzeug, das mehr ist als ein Taktgeber, nämlich ein Maler am Klangbild der Musik.
Wie schön das klingen kann zeigte sich in einer Interpretation von George Gershwins „Rhapsody In Blue“. Das war nicht einfach ein bisschen Jazzen über das thematische Material, das war eine komplett auf dieses Trio hin arrangierte Fassung des ganzen Werks samt improvisatorischer Einschübe, die dem sinfonischen Jazzcharakter des originalen Arrangements eben auch mit lateinamerikanischen Klängen auf die Sprünge half.
Lateinamerikanische Musik, Kompositionen von beispielsweise Baden Powell oder Anibal Sardinha sowie eigene Stücke bestimmten den Rest des Abends. Hier zeigten die Musiker mehr von ihrer jazzigen Seite. Improvisatorisch wurden die Stücke bearbeitet und von Musiker zu Musiker weitergereicht – dem Publikum zur Freude, das sich mit langem Applaus bedankte. Jens Wehn